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Website Texte kürzen: In 5 Schritten zu prägnanten Aussagen für Coaches

Eines Abends im Mai saß ich mal wieder am Küchentisch. Das leise Summen des Laptops war das einzige Geräusch im Haus, das Kind schlief endlich, und neben mir stand diese eine, mittlerweile eiskalte Tasse Tee. Ich starrte auf meine Über-mich-Seite und fühlte mich einfach nur leer. Der Cursor blinkte mich hämisch an, während ich versuchte, meine sechs Jahre Erfahrung als Yoga- und Atem-Coach in Sätze zu pressen, die nicht nach einem verstaubten Lexikon klingen.

Kennst du das? Du weißt genau, was du tust – in meinen Sessions kann ich stundenlang über die Verbindung von Zwerchfell und Stressresilienz reden –, aber sobald ich es aufschreibe, wird es steif. Es wird lang. Es wird... langweilig. Ich habe meine Website-Texte mittlerweile viermal komplett umgeschrieben, zwei Schreibkurse belegt und so ziemlich jedes Tool getestet, das der deutsche Markt hergibt. Alles nur, um zu merken: Das Problem ist nicht, dass ich zu wenig zu sagen habe. Das Problem ist, dass ich versuche, alles auf einmal zu sagen.

Der Frust mit dem „Akademiker-Modus“

Als ich meine erste Seite auf Jimdo zusammengeklickt habe, dachte ich, ich müsste besonders schlau klingen. Ich wollte beweisen, dass ich Ahnung habe. Also schrieb ich Sätze wie: „Durch die Implementierung spezifischer respiratorischer Interventionen erzielen wir eine signifikante Reduktion des kortisolbedingten Stresslevels.“ – Ugh. Wenn ich das heute lese, möchte ich mich unter meiner Yogamatte verstecken.

Das war mein größter Fehler: Ein schmerzhafter Absatz über meine Ausbildung, den ich für besonders gelehrt hielt, der aber am Ende niemanden interessierte. Meine Wunschkunden wollen nicht wissen, ob ich den Nominalstil beherrsche. Sie wollen wissen, ob ich ihnen helfe, morgens ohne Engegefühl in der Brust aufzuwachen. Aber wie kürzt man das Ganze, ohne dass die Tiefe verloren geht?

Nahaufnahme eines Laptops mit Textkorrekturen und einem Notizbuch

Schritt 1: Die Radikal-Löschung der Füllwörter

Mitte November bin ich zum ersten Mal über die Wortliga-Analyse gestolpert. Ich kopierte meinen Text hinein und – bumm – fast alles war rot markiert. Passivsätze, Blähwörter, unendliche Schachtelsätze. Das Tool bewertet die Lesbarkeit auf einer Skala von 0 bis 100, und ich glaube, ich startete irgendwo bei 30. Autsch.

Der erste Schritt ist immer der härteste: Geh deine Texte durch und jage Wörter wie „eigentlich“, „vielleicht“, „gewissermaßen“ oder „halt“. Diese Wörter sind wie kleine Energiefresser. Sie machen deine Aussage weich und unsicher. Wenn ich schreibe: „Ich versuche eigentlich, dir dabei zu helfen, ein bisschen entspannter zu sein“, klingt das nach nichts. „Ich zeige dir, wie du entspannst“ – das sitzt.

Schritt 2: Die 15-Wörter-Regel (mit einer Ausnahme)

Ein guter Richtwert für Online-Texte sind etwa 15 Wörter pro Satz. Alles darüber hinaus wird am Bildschirm anstrengend. Ich habe früher Sätze gebaut, die sich über fünf Zeilen zogen, weil ich jeden Nebensatz mit noch mehr Details füttern wollte. Aber das Internet ist kein Roman.

Hier kommt aber mein kleiner „Geheimtipp“, den ich nach unzähligen Versuchen gelernt habe: Kürze nicht krampfhaft alles weg. Statt Texte nur effizient zu stutzen, sollten wir Coaches unsere Sätze manchmal bewusst an den richtigen Stellen atmen lassen. Ein kurzer, knackiger Satz braucht danach vielleicht einen etwas längeren, rhythmischen Satz, um Vertrauen aufzubauen. Wenn alles nur noch aus Drei-Wort-Sätzen besteht, klingst du wie ein austauschbarer Verkaufsroboter. Und das wollen wir nicht. Wir wollen echte Verbindung.

Schritt 3: Verben aktivieren und Passiv-Monster besiegen

„Es wird Ihnen geholfen...“ – nein! „Ich helfe dir.“ Im Coaching geht es um Beziehung. Passivkonstruktionen bauen eine Mauer auf. Als ich letztes Jahr versuchte, meine Über mich Seite zu schreiben, war ich noch voll in diesem Passiv-Modus. Ich dachte, das wirkt professioneller. Aber es wirkt nur distanziert.

Suche nach Endungen auf -ung, -heit, -keit. Das sind oft versteckte Verben, die zu Substantiven erstarrt sind. Statt „Die Durchführung der Atemübung führt zur Entspannung“, schreib lieber: „Atme tief ein und spüre, wie du loslässt.“ Merkste selbst, oder? Es fühlt sich sofort lebendiger an.

Überarbeitetes Manuskript mit Korrekturen und einer Brille

Schritt 4: Den Fokus auf den Nutzen legen

Das ist der Punkt, an dem ich am meisten überlegen musste. Wir Coaches lieben unsere Methoden. Aber auf der Website ist weniger oft mehr. Frag dich bei jedem Absatz: Hilft das meiner Kundin gerade, eine Entscheidung zu treffen? Wenn ich über die Geschichte des Yoga im 14. Jahrhundert schreibe, ist das zwar interessant, aber es gehört vielleicht eher in einen Blogartikel als auf die Angebotsseite.

Ich habe gelernt, dass es viel effektiver ist, die Wunschkunden direkt anzusprechen und ihre Probleme zu benennen, statt mich in technischen Details zu verlieren. Wenn du weißt, was sie nachts wachhält, brauchst du weniger Worte, um sie zu erreichen.

Schritt 5: Der finale Check mit dem Lesbarkeits-Index

Anfang März habe ich meinen letzten großen Rewrite gemacht. Mein Ziel war es, den Wortliga-Score über 80 zu heben. Das Tool nutzt unter anderem den Flesch-Reading-Ease Index, eine wissenschaftliche Skala von 0 bis 100, um zu messen, wie leicht ein Text verständlich ist.

Es war ein befreiendes Gefühl, als die roten Markierungen verschwanden und mein Text endlich „atmen“ konnte – genau wie meine Klienten nach einer guten Session. Ein paar Tage später passierte es dann: Die erste Anfrage kam über das neue Kontaktformular, und die Kundin schrieb: „Deine Worte haben mich so abgeholt, es klang alles so klar.“

Das war der Moment, in dem ich begriff: Kürzen heißt nicht, etwas wegzunehmen. Kürzen heißt, den Kern freizulegen. Es ist harte Arbeit, keine Frage. Ich habe immer noch 14 Entwürfe für meinen Newsletter in einem Google Doc gespeichert, weil ich zu viel nachdenke. Aber mit diesen 5 Schritten fühle ich mich nicht mehr so hilflos vor dem leeren Bildschirm. Trau dich, die Schere anzusetzen – deine Leser (und deine Nerven) werden es dir danken.

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