
Homepage-Aufbau nach drei Monaten mit einem Tool, das nichts gebracht hat
Drei Monate lang habe ich für Jasper AI bezahlt, ein Tool, das mir komplette Website-Texte abnehmen sollte. Am Ende hatte ich einen Ordner voller Sätze wie „Entdecke deine innere Kraft" und „Werde die beste Version deiner selbst" – Zeilen, die genauso gut auf einer Kaffeeröster-Seite gestanden hätten.
Keine einzige davon landete auf meiner Startseite. Homepage-Aufbau für eine Coaching-Praxis lässt sich offenbar nicht outsourcen, so sehr ich es mir auch gewünscht hätte – Website-Texte selbst schreiben bedeutet am Ende doch, selbst zu schreiben.
Sechs Jahre lang habe ich mein Coaching komplett über Mundpropaganda aufgebaut, hier in München, bis eine Lokalzeitung mich verlinken wollte und ich merkte: Ich hatte nichts, wohin sie zeigen konnten. Also baute ich übers Wochenende eine Seite auf Jimdo zusammen und begriff erst danach, dass Coaching-Marketing eben doch nicht bei der Terminbuchung aufhört, sondern genau auf dieser Startseite anfängt.
An einem Schreibtisch mit sichtbaren Kratzern schreibe ich das alles – geerbt von meiner Mutter, zwei Fenster zum Innenhof, und am Monitorrand kleben inzwischen so viele gelbe, orangene und blaue Zettel, dass ich den Bildschirm kaum noch sehe. Die Yogamatte liegt für die Fünf-Minuten-Pausen hinter dem Stuhl, und der Kaffee daneben ist meistens kalt, bevor ich das erste Mal davon trinke.
Die Überschrift entscheidet über alles
Meine erste Überschrift war schrecklich poetisch: „Finde den Rhythmus deiner Seele durch die Kraft des Atems." Klang hübsch, sagte aber niemandem, ob ich bei einem konkreten Burnout-Problem helfen kann. Heute steht dort ein einziger, viel schlichterer Satz, der das Ziel meiner Kundinnen direkt benennt – und trotzdem frage ich mich manchmal noch, ob er nicht zu simpel klingt.
Wie du eine Überschrift wirklich handwerklich baust – Wort für Wort, nicht nur aus dem Bauch heraus – ist noch mal ein ganz eigenes Thema, denn genau diese eine Zeile entscheidet, ob überhaupt jemand weiterliest. Genauso wie die Frage, wie du deine eigene Stimme überhaupt findest, statt eine fremde zu imitieren – dazu an anderer Stelle mehr.
Das Problem deiner Wunschkundin kommt vor der Lösung
Direkt nach der Überschrift will jede Besucherin spüren, dass sie richtig ist. Coaches reden gern sofort über ihre Methode – Vinyasa Flow, Atemtechnik, systemisches Coaching –, aber die Kundin sucht keine Methode, sie sucht eine Lösung für das, was sie nachts wachhält. Nicht „Dysregulation des vegetativen Nervensystems", sondern „dein Herz rast, obwohl eigentlich alles okay ist".
Genau diese Reihenfolge – erst das Problem greifbar machen, dann die Lösung zeigen – hat einen Namen, die PAS-Methode, und wie du sie im Detail aufbaust, würde hier den Rahmen sprengen. Wie du überhaupt herausfindest, wen du eigentlich ansprichst, deine Wunschkundin und nicht irgendeine anonyme Zielgruppe, ist ebenfalls sein eigenes Kapitel.
Was sich für meine Kundinnen wirklich ändert, wenn wir zusammenarbeiten, ist der Wechsel von ständig unter Strom zu gelassen durch den Münchner Berufsverkehr. Genau dieser Unterschied zwischen einem reinen Merkmal und einem echten Vorteil für die Leserin ist übrigens auch wieder ein eigenes Fass, das ich hier nicht aufmache.
Beweise deine Expertise, bevor du sie behauptest
Lange dachte ich, meine Startseite müsste mich verkaufen. Aber als Coach verkaufst du dort nicht dein Angebot, sondern lieferst den sofortigen Beweis deiner Expertise – ein kurzer Videoclip, ein sehr konkreter Tipp, eine kleine Fallgeschichte.
Damals jagte ich meine Texte durch die WORTLIGA Textanalyse, und das Ergebnis war ernüchternd: viel zu komplex, viel zu viele Passivkonstruktionen für jemanden, der gestresst auf dem Handy liest. Wie das Verständlichkeitskonzept dahinter im Detail funktioniert, erkläre ich an anderer Stelle ausführlicher – hier reicht der Punkt: Ich habe angefangen, so zu schreiben, wie ich mit einer Freundin spreche, nicht wie eine Broschüre.
In der sechsten Woche, in der ich konsequent jeden Absatz laut vorlas, bevor ich ihn hochlud, saß ich auf einer Bank am Flaucher, während mein Kind im Kies nach flachen Steinen suchte. Ich öffnete die Seite auf dem Handy, und zum ersten Mal scrollte sich der Text wie ein Gespräch und nicht wie ein Prospekt.
Kundinnenstimmen einzubauen ist eine eigene Kunst, genauso wie eine gute Geschichte oft mehr bewegt als jedes Argument – Storytelling im Coaching-Kontext ist aber sein eigenes Thema, das mehr Platz braucht, als eine Startseite hergibt.
Der Über-mich-Teaser auf der Startseite
Leute buchen bei einem Menschen, nicht bei einem Zertifikat, aber die Startseite ist nicht der Ort für deine ganze Lebensgeschichte. Ein Foto, ein kurzer Absatz zu deinem Warum, ein Link zur ausführlichen Seite – mehr braucht es dort nicht.
Meine Freundin Verena, die als Grafikdesignerin arbeitet, schickt mir bei genau dieser Frage grundsätzlich ein Moodboard statt eines Textentwurfs, wenn sie mal wieder an ihrer eigenen Seite verzweifelt. Wie so ein Teaser strukturell aufgebaut ist, ohne dass er nach Lebenslauf klingt, habe ich woanders ausführlich vorgeführt – schau dir dafür an, wie du eine Über mich Seite schreiben kannst, ohne dass sie sich wie ein Personalbogen liest.
Dein Angebot muss in drei Sekunden verständlich sein
Mach es den Leuten einfach. Früher hatte ich fünf Pakete mit Namen wie „Lotus-Paket Deluxe", heute sind es drei klare Wege, mit mir zu arbeiten, benannt nach dem Ergebnis, das sie liefern.
Wie so eine ganze Angebotsseite strukturell aufgebaut sein sollte, mit allem, was dahintersteckt, ist wieder sein eigenes Thema – auf der Startseite selbst reicht der grobe Überblick, mehr verwirrt nur.
Der Call-to-Action
Das klingt banal, aber ich habe es am Anfang komplett vergessen: Am Ende der Startseite muss ein einziger klarer nächster Schritt stehen. Der Call-to-Action ist genau das – nicht zehn Möglichkeiten, sondern die eine Handlung, die du dir von einer Besucherin wünschst, ob Erstgespräch oder Newsletter.
Lena, eine Ernährungsberaterin aus Hamburg, die öfter mitliest und mit der ich mich gelegentlich über solche Sätze austausche, schickte mir letztens einen Entwurf für ihren eigenen Button, der klang wie aus einem Vertragstext – sie schreibt von Natur aus sehr formell und muss sich jedes Mal bewusst zur Alltagssprache zurückarbeiten. Ich habe lange mit verschiedenen Formulierungen experimentiert, bis ich Call to Action Beispiele gefunden habe, die zu meiner Art passen, ohne marktschreierisch zu wirken.
Was am Ende zählt: Klarheit vor Cleverness
Als ich mit der vierten Version meiner Seite live ging, fühlte sich die Startseite zum ersten Mal nicht mehr wie ein starres Prospekt an, sondern wie ein Gesprächsanfang. Klarheit gewinnt fast immer gegen Cleverness – wer besonders schlau oder marketing-mäßig klingen will, verliert die Verbindung zu den Menschen, die eigentlich Hilfe suchen.
Deine Startseite sollte natürlich auch für Google auffindbar sein, aber die Grundlagen dazu für lokale Coaches sind ihr eigenes Thema, das eine Startseite allein nicht abdeckt. Ich nutze inzwischen Tools, um meine Sätze kurz zu halten, und erlaube mir gleichzeitig, unperfekt zu sein – die WORTLIGA-Skala von 0 bis 100 ist dabei mein verlässlichster Gradmesser geworden.
Alles gleichzeitig unter einen Hut zu bekommen – die Coaching-Stunden, die Buchhaltung, ein Kind, das eigentlich schon im Bett sein sollte – braucht ein System, gerade beim Schreiben. Falls du dich fragst, wie das zeitlich überhaupt funktioniert: Ich habe aufgeschrieben, wie ich Website Texte schneller schreiben kann, ohne komplett auszubrennen.
Deine Startseite muss nicht perfekt sein, wenn du sie veröffentlichst, sie muss nur ehrlich sein und beweisen, dass du das Problem deiner Besucherin wirklich verstehst. Die Schriftart, die schicken Bilder, das perfekte Layout – das kommt alles danach. Fang einfach an zu schreiben, so wie du es einer Freundin erklären würdest, der Rest folgt mit der Zeit.