
Der blinkende Cursor und der kalte Tee
Es ist 23:15 Uhr in München, mein siebenjähriges Kind schläft endlich, und ich starre zum hundertsten Mal auf das leere Jimdo-Textfeld meiner „Über mich“-Seite. Der Cursor blinkt höhnisch vor sich hin. Ich habe den ganzen Tag Yoga-Sessions gegeben, zwischendurch Hausaufgaben kontrolliert und jetzt sitze ich hier – mit einem kalten Rest meines Kräutertees auf dem Schreibtisch, der nach abgestandenem Ingwer schmeckt, während das blaue Licht des Monitors meine Augen brennen lässt.
Vielleicht kennst du das? Nach sechs Jahren, in denen mein Business komplett über Mundpropaganda lief, wollte eine Lokalzeitung über mein Coaching berichten. Sie brauchten einen Link. Und ich? Ich hatte nichts. Also baute ich an einem Wochenende hektisch meine erste Seite. Aber als es zum Texten kam, war da nur Leere. Ich wollte nicht wie eine dieser überdrehten Marketing-Tanten klingen, aber „Hallo, ich bin Yoga-Lehrerin“ fühlte sich auch irgendwie... naja, nach nichts an.
Der größte Fehler: Es geht gar nicht um dich
Ich habe drei Monate lang diese Seite angestarrt. Ich habe zwei Schreibkurse angefangen und wieder abgebrochen. Ich habe 14 verschiedene Entwürfe in einem Google Doc gesammelt – von „spirituelle Reise“ bis „knallharte Fakten“. Nichts fühlte sich echt an. Erst Mitte März 2026, als ich kurz davor war, alles hinzuschmeißen, verstand ich die wichtigste Lektion überhaupt.
Die Über-mich-Seite sollte nicht von dir, sondern ausschließlich aus der Perspektive des Kundennutzens geschrieben werden. Dein Lebenslauf ist für potenzielle Klienten zweitrangig. Sie wollen wissen: Verstehst du mein Problem? Kannst du mir helfen? Wenn ich früher schrieb: „Ich praktiziere seit 15 Jahren Hatha Yoga“, klang das zwar korrekt, aber langweilig. Heute weiß ich, dass meine Kunden lesen wollen, dass ich ihre Atemnot in Ruhe verwandeln kann.
Meine 5-Schritte-Anleitung für deine Seite
Damit du nicht wie ich monatelang verzweifelst (und dir die geschätzten 1800 Euro für einen professionellen Texter sparen kannst), habe ich mein Chaos in ein System gegossen. Diese Struktur hat mir geholfen, meine Seite endlich auf etwa 450 Wörter zu bringen – die perfekte Länge, um persönlich zu sein, ohne jemanden vollzutexten.
Schritt 1: Das „Ich kenne das“-Gefühl
Starte nicht mit deinem Namen. Starte mit dem Problem deines Kunden. In meinem ersten Entwurf stand: „Mein Name ist [Name] und ich liebe Yoga.“ Gähn. Heute starte ich damit, wie es sich anfühlt, wenn man vor lauter Stress vergisst zu atmen. Hol sie dort ab, wo sie gerade stehen.
Schritt 2: Die Verwandlung (Das Versprechen)
Hier erklärst du kurz, was passiert, wenn man mit dir arbeitet. Nicht die Technik (die kommt später), sondern das Gefühl. Storytelling ist hier das Zauberwort, aber ohne das ganze Drama. Sag einfach, was die Lösung ist.
Schritt 3: Warum ausgerechnet du?
Jetzt darfst du kurz über dich sprechen. Aber nur in Bezug auf deine Expertise. Warum machst du das? Was qualifiziert dich? Ich erzähle hier oft von meinem eigenen Weg vom stressigen Bürojob zur Ruhe – das schafft Verbindung. Falls du noch unsicher bist, wie du den Einstieg findest, schau dir mal meinen Text über die Newsletter Einleitung an, da habe ich ähnliche Tipps für den ersten Satz gesammelt.
Schritt 4: Beweise und Fakten
Ein bisschen Autorität schadet nicht. Zertifikate, Jahre an Erfahrung oder einfach eine ehrliche Zahl an zufriedenen Kunden. Das gibt dem Ganzen Bodenhaftung. Statistisch gesehen ist die Über-mich-Seite die am zweithäufigsten besuchte Unterseite nach der Startseite – die Leute wollen wissen, ob sie dir vertrauen können.
Schritt 5: Der Call-to-Action
Lass sie nicht einfach so gehen! Was sollen sie jetzt tun? Ein Kennenlerngespräch buchen? Dich abonnieren? Sag es ihnen klipp und klar. Es ist kein „Verkaufen“, es ist eine Einladung.
Wie ich endlich den „Veröffentlichen“-Button fand
Um den 28. April 2026 herum passierte es dann. Ich probierte einen neuen Ansatz aus, den ich in einer Methode namens Lexosophie fand. Es ging weniger um das „perfekte Wort“ und mehr um die ehrliche Struktur. Als ich den ersten Satz schrieb, der sich endlich nicht mehr wie eine Marketing-Lüge anfühlte, passierte etwas Seltsames: Das plötzliche Lockern meiner Kiefermuskulatur und das tiefe Ausatmen – ein Gefühl, das ich sonst nur nach einer langen Savasana-Einheit kenne.
Ich habe in dieser Zeit viel gelernt, auch durch andere Ressourcen. Es war ein langer Weg vom 'Hallo, ich bin...' zum echten Kundenmagneten, aber es hat sich gelohnt. Als ich endlich auf „Veröffentlichen“ klickte, dauerte es keine zwei Tage, bis die erste E-Mail kam. Eine Kundin schrieb: „Ich habe mich in deinem Text sofort wiedergefunden.“
Ein letzter Rat von einer Nicht-Texterin
Wenn du gerade an deiner Seite sitzt: Überdenke nicht jede Headline. Dein Text muss nicht perfekt sein, er muss nur echt sein. Wir Solopreneure neigen dazu, uns hinter einer professionellen Maske zu verstecken, weil wir Angst haben, nicht „genug“ zu sein. Aber deine Kunden kaufen dich, nicht dein Zertifikat an der Wand. Wenn du dich beim Schreiben so fühlst, als würdest du es einer guten Freundin bei einem Glas Wein erklären, dann bist du auf dem richtigen Weg. In meinem eigenen Prozess habe ich gemerkt, wie Lexosophie im Test mir geholfen hat, meine eigene Stimme zu finden, ohne in diese typischen Marketer-Floskeln zu verfallen.
Du schaffst das. Und jetzt: Mach dir erst mal einen frischen Tee. Einen, der nicht nach abgestandenem Ingwer schmeckt.