
Es war spät an einem Dienstagabend Mitte November, als ich mal wieder vor meiner Jimdo-Seite saß und den unteren Bildschirmrand anstarrte. Mein Footer bestand damals aus genau zwei Links: Impressum und Datenschutz – und einem Copyright-Datum, das seit drei Jahren nicht mehr aktualisiert worden war. Ein einsamer, grauer Streifen am Ende der Welt.
Ich wusste, dass da mehr gehen muss, aber ich hatte keine Ahnung, was. Also habe ich angefangen, alles Mögliche hineinzustopfen. Keywords, das Logo meiner Yoga-Ausbildung, Links zu jedem einzelnen Blogartikel – mein Footer sah bald aus wie mein Dachboden: vollgestopft mit Dingen, die ich vielleicht irgendwann mal brauche, die aber eigentlich nur im Weg stehen. Ich nenne das heute meine „Rumpelkammer-Phase“.
Das Sicherheitsnetz: Warum der Footer kein Mülleimer ist
Irgendwann zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem Neujahrstrubel kam mir ein Gedanke, während ich die Spielsachen meiner Tochter sortierte: Warum behandle ich meinen Footer eigentlich wie einen rechtlichen Abfalleimer, wenn er doch das Letzte ist, was ein potenzieller Kunde sieht, bevor er meine Seite verlässt? Er ist kein Ort, an dem Informationen sterben gehen – er ist das Sicherheitsnetz für alle, die unten angekommen sind und noch nicht genau wissen, was sie als Nächstes tun sollen.
Die erste Lektion, die ich schmerzhaft lernen musste: Überlade ihn nicht mit SEO-Keywords oder unwichtigen Links. Ich dachte, wenn ich dort unten zwanzigmal „Yoga München“ schreibe, findet mich Google schneller. Spoiler: Es nervt die Leser und macht die Seite unruhig. Eine zu komplexe Fußzeile senkt die Conversion-Rate, weil sie die Leute von ihrer eigentlichen Aufgabe ablenkt – nämlich Kontakt aufzunehmen oder sich für den Newsletter anzumelden.

Die Pflicht und die Kür: Was wirklich rein muss
In Deutschland haben wir ja für alles Regeln, und beim Footer ist das leider nicht anders. Das Telemediengesetz (oder wie es jetzt heißt: TDDDG) ist da ziemlich humorlos. Laut TMG Section 5 muss das Impressum leicht erkennbar, unmittelbar erreichbar und ständig verfügbar sein. Die Faustregel ist: Impressum und Datenschutz müssen von jeder Unterseite aus mit maximal zwei Klicks erreichbar sein. Der Footer ist dafür der perfekte Ort.
Aber was kommt nach der Pflicht? Ich habe mich für ein System aus 3 Spalten entschieden. Das ist so ein bisschen der inoffizielle Standard für mobiles Design, damit auf dem Smartphone nicht alles endlos untereinander klebt. In meiner ersten Spalte stehen die rechtlichen Sachen. In der zweiten Spalte gibt es eine kurze Navigation zu den wichtigsten Seiten (nicht zu allen!). Und in der dritten Spalte? Da passiert das eigentliche Storytelling.
- Kontaktmöglichkeiten: E-Mail und vielleicht ein Link zum Kontaktformular.
- Newsletter-Anmeldung: Ein kurzes Feld, um die Leute im Loop zu halten.
- Social Media: Aber nur die Kanäle, die ich auch wirklich pflege.
Manchmal fragen mich Kollegen, ob man auch die Preise dort verlinken sollte. Ich finde: Ja, wenn es Sinn ergibt. Ich habe dazu mal einen Text geschrieben, wie man Coaching Preise auf der Website schreiben kann, ohne dass es sich komisch anfühlt. Das kann auch im Footer ein guter Anker sein.
Der Wortliga-Test: Weg mit dem Coach-Sprech
Anfang März saß ich an einem kurzen „Über mich“-Text für den Footer. Ich wollte in zwei Sätzen sagen, wer ich bin. Mein erster Entwurf klang so: „Ganzheitliche Begleitung für resiliente Atemtechniken im urbanen Raum Münchens.“ Uff. Als ich das durch die Wortliga Textanalyse gejagt habe, leuchtete alles rot. Zu viele Blähwörter, zu komplex.
Wortliga nutzt diesen LIX-Wert (Lesbarkeitsindex). Ein LIX-Wert von 40 ist ein super Ziel für Webtexte, damit sie schnell erfasst werden können. Mein Footer-Text war irgendwo bei 60 – also eher wissenschaftliche Abhandlung als freundliches Hallo. Also habe ich gestrichen. Aus „resilienten Atemtechniken“ wurde „einfach besser atmen“. Das klingt vielleicht weniger schlau, aber es versteht jeder sofort. Im Footer haben wir wenig Platz, da zählt jedes Wort.

Ein regnerischer Nachmittag im Mai: Das Ausmisten
Ich erinnere mich noch an einen regnerischen Nachmittag im Mai. Meine Tochter baute im Wohnzimmer eine Höhle und ich saß am Küchentisch. Das leise Summen meines Laptop-Lüfters war das einzige Geräusch in der Wohnung, während ich radikal 12 unnötige Links aus meinem Footer-Menü löschte. Es fühlte sich befreiend an.
Früher dachte ich, ich müsste dort alles zeigen, was ich jemals gemacht habe. Aber wer braucht im Footer einen Link zu einem Workshop aus dem Jahr 2021? Niemand. Heute sehe ich meinen Footer wie einen aufgeräumten Flur. Er schreit nicht nach Aufmerksamkeit, aber er reicht dem Besucher die Hand, wenn er am Ende der Seite angekommen ist.
Wenn du dich fragst, wie du das alles zeitlich schaffen sollst – ich kenne das. Zwischen Coaching-Sessions und dem Abholen vom Kindergarten bleibt oft nicht viel Zeit. Ich habe mir über die Monate einen kleinen Workflow zwischen Coaching und Kind erarbeitet, um solche Aufgaben in kleinen Häppchen zu erledigen. Der Footer war so ein „Häppchen-Projekt“ für ein paar Abende.
Mein Fazit für deinen Footer
Hör auf, den Footer als Ablagefläche für alles zu benutzen, was oben auf der Seite keinen Platz gefunden hat. Sei mutig und lass Lücken. Ein sauberer Footer wirkt professionell und vertrauenserweckend. Er gibt deinem Leser das Gefühl, dass du deine Seite (und dein Business) im Griff hast.
Prüfe heute mal: Sind deine rechtlichen Links (TMG Section 5!) sofort zu finden? Funktioniert dein Call-to-Action? Und vor allem: Klingt der Text dort unten nach dir oder nach einem Gesetzestext? Wenn du unsicher bist, nimm dir ein Tool zur Hilfe und achte auf einfache Sätze. Dein Footer ist der letzte Eindruck, den du hinterlässt – sorge dafür, dass er gut ist.