
Es ist weit nach Mitternacht. In meiner Küche in München ist es still, bis auf das rhythmische Brummen des Kühlschranks und das leise Klackern meiner Tastatur. Vor mir steht der Rest eines Hafermilch-Lattes – die Reste sind mittlerweile lauwarm und bilden diesen unschönen Rand am Glas. Das blaue Licht meines Jimdo-Editors starrt mich an. Ein leerer Blog-Entwurf. Wieder mal.
Ich weiß genau, was ich sagen will, wenn ich vor meinen Schülern in der Yoga-Stunde stehe. Aber hier? Vor diesem weißen Kasten? Da fühle ich mich plötzlich, als hätte ich noch nie einen geraden Satz formuliert. Mein Kopf ist voll mit Ideen, aber sobald ich versuche, sie in eine Content Planung zu gießen, kriege ich Panik. Ich erinnere mich dann immer an mein „Über mich“-Trauma vom letzten Jahr – diese Wochen, in denen ich den Text viermal komplett umgeschrieben habe, nur um am Ende festzustellen, dass ich immer noch wie eine Broschüre für ein Wellness-Hotel klang.
Warum „einfach losschreiben“ für uns Coaches nicht funktioniert
Letzten November saß ich genau hier und dachte: „Ich schreibe einfach jede Woche über das, was mich gerade bewegt.“ Spoiler: Das hat genau drei Wochen gehalten. Dann kam der Alltag dazwischen – mein siebenjähriger Sohn hatte Scharlach, die Coaching-Termine stapelten sich und plötzlich war der Blog tot. Das Problem ist nicht, dass wir nichts zu sagen haben. Das Problem ist, dass wir versuchen, wie Marketing-Profis zu denken, obwohl wir eigentlich nur Menschen helfen wollen, besser zu atmen oder klarer zu denken.
Ich habe in meinem Google Doc mittlerweile 14 Entwürfe für Newsletter-Intros gespeichert, die nie das Licht der Welt erblickt haben. Ich habe versucht, diese kalten Marketing-Formeln zu nutzen, die man überall liest. „Die 5 ultimativen Schritte zu...“ oder „Warum du X tun musst, um Y zu erreichen“. Aber jedes Mal, wenn ich das tippe, fühlt es sich an, als würde ich einen Anzug tragen, der mir drei Nummern zu klein ist. Es passt einfach nicht zu einer Yoga-Lehrerin.
Was ich auf die harte Tour gelernt habe: Eine gute Content Planung muss sich anfühlen wie ein gut sequenzierter Flow – logisch, aufeinander aufbauend und vor allem machbar. Man muss kein Texter sein, um Themen zu finden, die die Leute wirklich lesen wollen. Man muss nur aufhören zu glauben, dass man das Rad jede Woche neu erfinden muss. Manchmal hilft es sogar, alte Texte umschreiben zu wollen, statt krampfhaft nach dem nächsten „viralen“ Ding zu suchen.

Die Wende: Ein regnerischer Sonntag im März
An einem dieser grauen Sonntage im März saß ich wieder an meiner Planung. Ich hatte mir vorgenommen, das ganze Jahr – also alle 52 Wochen – im Voraus zu planen. Klingt ambitioniert, oder? Ich hatte diese ganzen Experten-Tipps im Kopf: Suchvolumen analysieren, Konkurrenz beobachten, Suchmaschinenoptimierung (SEO) bis zum Umfallen. Aber ganz ehrlich: Wenn ich Begriffe wie „Long-Tail-Keywords“ höre, möchte ich mich am liebsten direkt in die Kinderpose begeben und dort bleiben.
Ich habe dann etwas anderes probiert. Ich habe mir meine Notizen aus den letzten 60-Minuten-Atem-Sessions angesehen. Was haben mich die Leute eigentlich gefragt? Nicht die „schlauen“ Fragen nach der Anatomie des Zwerchfells. Sondern die peinlichen Dinge. Die Sachen, über die sie im Stillen nachdenken, während sie versuchen, sich zu entspannen.
Hier ist mein absoluter Geheimtipp für dich (der eigentlich gar kein Geheimnis ist): Hör auf, nach „relevanten“ Keywords zu suchen. Schreib stattdessen konsequent über die Fehler, die deine Kunden im Stillen für peinlich halten.
Ein Beispiel von meiner eigenen Seite: Zuerst hieß mein Blogpost-Thema „Die Vorteile der tiefen Bauchatmung“. Gähn. Das liest kein Mensch, der nicht sowieso schon Yoga-Fanatiker ist. Dann habe ich es geändert in: „Warum ich beim Meditieren immer einschlafe (und warum das kein Zeichen von Scheitern ist)“. Plötzlich hatte ich Kommentare. Leute schrieben mir: „Oh Gott, ich dachte, nur mir geht das so!“ Das ist echtes Storytelling, ohne dass es sich nach Verkauf anfühlt.
Die 3-Säulen-Strategie für deine Content Planung
Damit du nicht wie ich monatelang auf den Bildschirm starrst, habe ich mein Chaos in drei einfache Säulen sortiert. Das hilft mir, die 52 Wochen des Jahres zu füllen, ohne dass mein Gehirn schmilzt.
- Die „Heimlich-Peinlich“-Fragen: Das sind die Themen, die wir eben besprochen haben. Was trauen sich deine Kunden nicht zu fragen? „Darf ich beim Coaching weinen?“ oder „Warum schaffe ich es nicht, 10 Minuten still zu sitzen?“.
- Der Blick hinter die Kulissen: Zeig, dass du auch nur ein Mensch bist. Ich habe einen Artikel darüber geschrieben, wie ich versuche, Achtsamkeit in den Wahnsinn mit einem Schulkind zu integrieren. Das macht dich nahbar.
- Die harten Fakten (sanft verpackt): Natürlich müssen wir auch zeigen, dass wir Experten sind. Hier kommen die Themen rein, die erklären, wie du arbeitest. Aber bitte ohne das Fach-Chinesisch.
Ich achte bei jedem Post darauf, dass er mindestens 600 Wörter lang ist. Das ist so eine magische Grenze für Google, damit die Seite überhaupt gefunden wird. Früher dachte ich, 300 Wörter reichen auch – aber dann habe ich gemerkt, dass die Leute gar nicht tief genug in das Thema eintauchen können. Es geht nicht um Masse, sondern darum, dem Leser wirklich das Gefühl zu geben: „Hey, ich verstehe dich.“
Wenn du diese Texte schreibst, vergiss nicht, sie auch für die Leser am Smartphone hübsch zu machen. Ich habe mal einen tollen Text geschrieben und dann erst Wochen später gemerkt, dass man ihn am Handy kaum lesen konnte, weil die Absätze viel zu lang waren. Deswegen solltest du unbedingt deine Texte für mobile Website optimieren, damit deine Mühe nicht umsonst ist.

Tools, die mir (nicht) geholfen haben
Ende Mai war ich an einem Punkt, an dem ich dachte: „Ich brauche eine Software für das alles.“ Ich habe alles getestet. Von komplizierten Redaktionsplan-Tools bis hin zu KI-Generatoren. Aber wisst ihr was? Die meisten dieser Tools sind für Marketing-Abteilungen gemacht, nicht für eine Solopreneurin aus München, die zwischendurch noch Wäsche wäscht.
Was mir wirklich geholfen hat, war die Google Search Console. Das ist kostenlos und zeigt dir, mit welchen Begriffen die Leute auf deine Seite kommen. Manchmal sind das Begriffe, an die ich im Traum nicht gedacht hätte. Aber Achtung: Wenn du das nutzt, denk an die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). In Deutschland ist das ja immer so eine Sache mit dem Datenschutz – das muss alles rechtlich sauber in deiner Datenschutzerklärung stehen.
Ein Texter hätte mir für die ganze Planung wahrscheinlich ein paar tausend Euro abgenommen. Wenn man dann noch die 19% Umsatzsteuer dazurechnet, die man als Coach ja oft nicht gegenrechnen kann (je nach Status), ist das ein ordentlicher Brocken. Also habe ich es selbst gelernt. Es dauert länger, ja. Man überdenkt jede Überschrift fünfmal. Aber am Ende ist es meine Stimme.
Vom Chaos zum Plan: Kurz vor den Sommerferien
Jetzt, kurz vor den Sommerferien, fühlt sich mein Plan endlich stabil an. Ich weiß, was ich im September schreiben werde, wenn die Leute nach dem Urlaub wieder in den Stress-Modus schalten. Ich weiß, was ich im November schreibe, wenn alle im grauen Münchener Wetter versinken.
Mein innerer Monolog hat sich verändert. Früher dachte ich: „Wenn ich das poste, denken meine Kollegen bestimmt, ich bin zu simpel.“ Heute weiß ich: Meine Kollegen sind nicht meine Kunden. Wenn meine Kunden endlich verstehen, was ich eigentlich tue, weil ich es in ihren Worten erkläre – dann habe ich alles richtig gemacht.
Ein Blog ist kein Selbstzweck. Er ist die Brücke zu dir. Deshalb ist es so wichtig, am Ende eines Textes auch mal zu sagen, was der nächste Schritt ist. Ich baue jetzt immer ganz natürlich Verlinkungen auf der eigenen Website ein, die zum Erstgespräch führen. Nicht marktschreierisch, sondern wie eine Einladung nach einer guten Yoga-Stunde: „Wenn du mehr davon willst, komm gerne vorbei.“
Das Schreiben wird vielleicht nie ganz leicht fallen. Ich werde wahrscheinlich auch beim nächsten Artikel wieder drei Tassen Kaffee brauchen und mich fragen, ob das alles Sinn ergibt. Aber das Gefühl, wenn ein Text online geht und sich jemand meldet, weil er sich genau in diesen Zeilen wiedergefunden hat? Das ist jede Minute am Küchentisch wert.
Fang einfach klein an. Nimm dir die peinlichste Frage, die dir je gestellt wurde, und schreib die Antwort auf. Das ist dein erster Blogpost. Der Rest kommt dann fast von allein – oder zumindest mit ein bisschen weniger Kopfzerbrechen als bei mir.