
Es ist spät am Abend hier in München, die Straßen unten in Schwabing sind endlich ruhig geworden. Mein Siebenjähriger hat nach dem vierten 'Ich muss noch mal kurz was fragen' endlich den Weg ins Traumland gefunden, und ich? Ich sitze hier mit einer kalten Tasse Tee und starre auf dieses weiße, leere Dokument auf meinem Bildschirm. Der Cursor blinkt so rhythmisch, als würde er mich auslachen.
Vielleicht kennst du diesen Moment. Du weißt ganz genau, was du in deinen Coaching-Sessions tust. Du weißt, wie du Menschen hilfst, wieder tief durchzuatmen oder ihre Balance zu finden. Aber sobald du versuchst, das für deine Website aufzuschreiben, passiert etwas Seltsames: Du verwandelst dich in eine Mischung aus einer drögen Versicherungsbroschüre und einem überdrehten Motivationscoach auf LinkedIn. Es klingt steif. Es klingt nach 'Lösungen' und 'Synergien' – und absolut null nach dir.
Warum wir uns beim Schreiben oft in eine Maske flüchten
Ich erinnere mich noch genau an den Panikmoment, als eine Lokalzeitung mich Anfang dieses Jahres verlinken wollte. Sechs Jahre lang hatte ich mein Coaching-Business nur über Mundpropaganda aufgebaut. Ich war stolz darauf, keine Website zu brauchen. Doch plötzlich war da diese Chance – und ich hatte nichts als eine leere Domain. Ich hämmerte an einem Wochenende eine Seite in Jimdo zusammen, aber bei den Texten blieb ich hängen. Monatelang.
Das Problem ist: Wir wollen 'professionell' klingen. Wir denken, dass Kunden uns nur ernst nehmen, wenn wir uns hinter einer Fassade aus Expertensprech verstecken. Mein erster Entwurf für meine Angebotsseite klang so: 'Ich biete ganzheitliche Interventionen zur Steigerung der respiratorischen Kapazität und Resilienzförderung an.' Ganz ehrlich? Wenn ich das heute lese, möchte ich am liebsten unter dem Sofa verschwinden. Ich benutze das Wort Resilienz zwar in Fachgesprächen, aber kein Mensch, der gerade gestresst ist und nicht mehr atmen kann, sucht nach 'Interventionen'.

Ich habe meine Texte inzwischen viermal komplett umgeschrieben. Ich habe Kurse belegt und sogar diese neuen KI-Text-Tools ausprobiert, die 2026 ja jeder nutzt. Aber weißt du, was ich gemerkt habe? Die KI schreibt zwar fehlerfrei, aber sie schreibt nicht wie ich. Sie hat keinen bayrischen Akzent, sie weiß nicht, wie riecht, wenn es in meinem Studio nach Zirbenholz duftet, und sie versteht nicht, warum ich manchmal mitten im Satz lachen muss. Diese kleinen Unvollkommenheiten sind aber genau das, was die Leute dazu bringt, auf 'Kontakt' zu klicken.
Die 'Sprachnachrichten-Methode' – wie ich den Knoten gelöst habe
Der eigentliche Durchbruch kam an einem regnerischen Vormittag im letzten März. Ich war so frustriert von meinen eigenen Entwürfen, dass ich das Laptop zugeklappt und mein Handy genommen habe. Ich habe einfach eine Sprachnachricht an eine gute Freundin aufgenommen und ihr erzählt: 'Du, ich will den Leuten einfach zeigen, dass Yoga nichts mit perfekten Leggings zu tun hat, sondern damit, dass man sich in seinem eigenen Körper nicht mehr wie ein Fremder fühlt.'
Ich habe diese Nachricht transkribiert und – bumm. Da war sie, meine Stimme. Ungefiltert, warm, ein bisschen unperfekt. Aus der 'Steigerung der respiratorischen Kapazität' wurde: 'Ich zeige dir, wie du wieder tief durchatmen kannst, wenn sich der Tag wie ein zu enges T-Shirt anfühlt.' Siehst du den Unterschied? Der eine Satz will beeindrucken, der andere will eine Verbindung aufbauen.
Wenn du gerade an deiner Über mich Seite für Solopreneure sitzt und dich fragst, wie du jemals fertig werden sollst: Probier das mal aus. Sprich deine Texte. Stell dir vor, du sitzt mit einer Klientin bei einer Tasse Tee. Was würdest du ihr sagen? Schreib genau das auf. Die Korrektur der Grammatik kommt später – erst mal brauchen wir das Herz in den Zeilen.

Authentizität ist 2026 wichtiger als perfektes Marketing
Wir leben in einer Zeit, in der wir von perfekt polierten Inhalten überflutet werden. Überall sind Reels, die aussehen wie Kinofilme, und Texte, die so glattgebügelt sind, dass man an ihnen abrutscht. Gerade deshalb suchen Menschen nach Echtheit. Wenn du auf deiner Website zugibst, dass du auch mal einen schlechten Tag hast oder dass dein Weg zum Coaching nicht geradlinig verlief, dann machst du dich nahbar.
Ich hatte zum Beispiel große Angst davor, über meine eigenen Stolpersteine zu schreiben. Ich dachte, ein Coach muss unbesiegbar wirken. Aber das Gegenteil ist der Fall. Kunden kommen zu uns, weil wir den Weg schon ein Stück gegangen sind – inklusive der Schlaglöcher. Ein guter Text ist wie ein ehrlicher Händedruck. Er sagt: 'Ich sehe dich, ich verstehe dich, und ich weiß, wie es sich anfühlt.'
Das gilt übrigens auch für den schwierigen Teil: das Geld. Früher habe ich mich fast geschämt, Preise zu nennen. Heute weiß ich, dass Klarheit auch eine Form von Wertschätzung ist. Falls du da auch noch zögerst, habe ich mal aufgeschrieben, wie ich gelernt habe, über Coaching Preise auf der Website zu sprechen, ohne dass es sich komisch anfühlt.

Deine Website als Filter für die richtigen Leute
Ein großer Fehler, den ich gemacht habe (und den ich heute noch oft bei Kollegen sehe): Ich wollte es jedem recht machen. Ich wollte niemanden verschrecken. Das Ergebnis war ein Text, der so neutral war wie Leitungswasser. Er hat niemanden beleidigt, aber er hat auch niemanden begeistert.
Heute sehe ich meine Website-Texte als Filter. Wenn jemand meine Texte liest und denkt: 'Die ist mir ein bisschen zu locker' oder 'Das ist mir zu wenig wissenschaftlich' – dann ist das super! Diese Person wäre in meinem Studio in München wahrscheinlich sowieso nicht glücklich geworden. Aber die Menschen, die lesen, wie ich über meine Versuche schreibe, Yoga und Kind unter einen Hut zu bringen, die fühlen sich sofort verstanden. Sie kommen schon mit einem Vertrauensvorschuss in die erste Session.
Apropos unter einen Hut bringen: Das Schreiben ist für mich immer noch ein Kraftakt zwischen Coaching-Terminen und dem ganz normalen Familienwahnsinn. Ich habe mittlerweile einen Weg gefunden, wie ich meine Website Texte schneller schreiben kann, ohne dass ich jedes Mal ein komplettes Wochenende opfern muss – vielleicht hilft dir mein Workflow ja auch ein bisschen weiter, wenn die Zeit mal wieder knapp ist.
Praktische Tipps für deinen nächsten Schreib-Versuch
Wenn du morgen früh vor deinem Entwurf sitzt, versuch mal diese drei Dinge:
- Streich das Wort 'Expertin': Zeig dein Wissen lieber durch Geschichten oder Beispiele. Statt 'Ich bin Expertin für Stress' schreib lieber: 'Ich kenne das Gefühl, wenn die To-do-Liste nachts im Kopf Karussell fährt.'
- Benutze Verben statt Substantive: 'Wir erarbeiten eine Lösung' klingt nach Büro. 'Wir finden gemeinsam heraus, was dir guttut' klingt nach Coaching.
- Lies es laut vor: Wenn du beim Vorlesen über einen Satz stolperst oder außer Atem kommst, ist er zu kompliziert. Ein guter Text fließt wie ein natürliches Gespräch.

Und ganz wichtig: Erwarte nicht, dass der erste Wurf perfekt ist. Ich habe 14 Entwürfe für einen simplen Newsletter-Einstieg in einem Google Doc gespeichert, die nie das Licht der Welt erblickt haben. Das gehört dazu. Schreiben ist wie Yoga: Man wird nicht flexibel, indem man sich einmal dehnt, sondern indem man immer wieder auf die Matte geht. Nur dass die Matte in diesem Fall eben deine Tastatur ist.
Trau dich, du selbst zu sein. Deine Klienten suchen keinen Roboter und keine Hochglanz-Broschüre. Sie suchen dich. Mit all deinen Ecken, Kanten und deiner ganz persönlichen Art, die Welt zu sehen. Und wenn du das nächste Mal vor deinem Call-to-Action sitzt und zögerst – frag dich einfach: Was würde ich jetzt sagen, wenn ich dieser Person gerade wirklich gegenüberstünde? Meistens ist die Antwort ganz einfach und braucht gar kein Marketing-Blabla.