
Es ist 23:15 Uhr hier in München. Mein Siebenjähriger schläft endlich – nach drei Runden 'nur noch eine Geschichte' – und ich sitze vor meinem Jimdo-Baukasten. Ich starre auf den blinkenden Cursor in einem Textfeld, das sich anfühlt wie ein fremdes Haus, in dem ich die Lichtschalter nicht finde.
Vielleicht kennst du das? Du weißt genau, was du in deinen Coaching-Sessions tust. Du spürst die Verbindung zu deinen Klienten. Aber sobald du versuchst, das auf eine Webseite zu bringen, verwandelst du dich in eine steife Broschüre für eine Bank, bei der du selbst nie ein Konto eröffnen würdest. Genau da stand ich auch – und es war frustrierend.
Der Moment, in dem die Panik einsetzte
Sechs Jahre lang lief mein Business als Yoga- und Atemcoach komplett über Mundpropaganda. Ich war stolz darauf. Doch dann passierte es: Eine Lokalzeitung wollte über meine Kurse berichten und mich verlinken. Und ich? Ich hatte nichts zum Verlinken. Gar nichts.
Ich baute die Seite an einem Wochenende zusammen, aber dann kam die berüchtigte Über-mich-Seite. Ich habe ungelogen 90 Tage lang diese Seite angestarrt, bevor ich den ersten Satz veröffentlichte. Jedes Mal, wenn ich das Wort 'Expertin' neben meinen Namen schrieb, spürte ich dieses scharfe, heiße Ziehen in meinem Solarplexus. Es fühlte sich an wie eine Lüge, obwohl ich seit Jahren erfolgreich arbeite. Aber 'Expertin' klang so... fertig. So unnahbar.
Ein professioneller Texter rief stolze 3200 Euro für ein komplettes Website-Paket auf. Das war mehr, als ich in diesem Moment investieren konnte oder wollte. Also dachte ich: Das muss ich doch selbst hinkriegen. Spoiler: Es war ein langer Weg.
Das Problem mit dem 'professionell' klingen wollen
Mein erster Entwurf war die Katastrophe schlechthin. Er lautete: 'Ich biete ganzheitliche Lösungen für Stressmanagement und Atemoptimierung an, um Ihre Resilienz nachhaltig zu stärken.' – Wenn ich das heute lese, möchte ich am liebsten unter dem Schreibtisch verschwinden. Wer redet denn so? Ich jedenfalls nicht in meinem Studio.
Ich habe meine gesamte Website insgesamt 4-mal komplett umgeschrieben. Ich habe zwei Schreibkurse belegt und jedes deutsche Text-Tool ausprobiert, das ich finden konnte. Trotzdem liegen in meinem Google Doc immer noch 14 Entwürfe für eine einfache Newsletter-Einleitung, die ich mich nie getraut habe abzusenden. Das Problem war immer dasselbe: Ich wollte es für 'die Zielgruppe' richtig machen.
Aber hier ist die Sache, die ich auf die harte Tour gelernt habe: Hör auf, deine Zielgruppe zu analysieren. Wahre Authentizität entsteht erst, wenn du ausschließlich für dich selbst schreibst. Wenn du so schreibst, dass DU dich beim Lesen wohlfühlst, ziehst du automatisch die Menschen an, die wirklich zu dir passen.
Wie ich meine Stimme zwischen den Zeilen fand
Der Wendepunkt kam an einem Dienstagvormittag im März. Ich war so genervt von meinen eigenen steifen Texten, dass ich einfach mein Handy nahm und eine Sprachnachricht an eine fiktive Klientin aufnahm. Ich erklärte ihr einfach, warum ich das, was ich tue, so sehr liebe.
Als ich das transkribierte, sah ich es endlich. Da stand kein Wort von 'Resilienzsteigerung'. Da stand: 'Manchmal fühlt sich der Tag an wie ein zu enges T-Shirt – und ich zeige dir, wie du wieder tief durchatmen kannst.' Das war ich. Warm, ein bisschen unperfekt, aber echt.
Wenn du gerade an deiner Über mich Seite für Solopreneure sitzt, probier das mal aus. Lösch die Adjektive, die du in anderen Marketing-Texten gelesen hast. Wenn es sich nicht nach dir anfühlt, fliegt es raus. Ich erinnere mich noch an das kalte, leicht klebrige Gefühl der Leertaste, nachdem ich denselben Satz zum zehnten Mal in einer Stunde gelöscht hatte. Dieses Zögern ist dein Kompass. Es zeigt dir, wo du versuchst, jemand zu sein, der du nicht bist.
Authentizität ist kein Marketing-Trick
Wir Coaches haben oft Angst, zu 'woo-woo' oder zu privat zu wirken. Aber weißt du was? Die Leute buchen dich nicht wegen deiner Zertifikate (obwohl die wichtig sind), sondern weil sie das Gefühl haben, dass du sie verstehst. Ein guter Text muss sich anfühlen wie ein Gespräch bei einer Tasse Tee in meinem Studio in München-Schwabing.
Heute ist meine Website mein bester Filter. Die Leute, die kommen, wissen schon, dass ich auch mal über meine eigenen Stolpersteine lache. Das nimmt so viel Druck raus – sowohl beim Schreiben als auch später in den Sessions. Falls du dich immer noch fragst, ob du das alleine schaffst: Ich habe nach meinen 4 Fehlversuchen einen Weg gefunden, der funktioniert, und darüber auch in meinem Bericht über meine Lexosophie Erfahrungen geschrieben, falls du Unterstützung suchst, die sich nicht nach Roboter anfühlt.
Schreiben ist wie Yoga: Der erste Sonnengruß am Morgen ist meistens auch ein bisschen wackelig und steif. Aber je öfter du dich traust, deine echten Gedanken zuzulassen, desto flüssiger wird es. Und wenn du das nächste Mal vor deinem Call-to-Action sitzt und überlegst, ob 'Jetzt buchen' zu aggressiv ist – frag dich einfach: Was würde ich sagen, wenn die Person gerade vor mir stünde? Meistens ist die Antwort ganz einfach: 'Lass uns doch mal schauen, ob wir zusammenpassen.'
Authentische Texte sind kein Hexenwerk. Sie sind nur die Erlaubnis an dich selbst, auf deiner Webseite genau die Person zu sein, die du auch im echten Leben bist. Ohne Bank-Vokabular. Ohne Maske. Einfach nur du.