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Storytelling für Coaches: Persönliche Geschichten für deine Webseite schreiben

Es war spät im November, draußen peitschte der Münchner Regen gegen das Küchenfenster, und ich starrte auf den blinkenden Cursor meiner Jimdo-Seite. Vor mir standen die lauwarmen Reste meines Kräutertees – dieser letzte Schluck, der eigentlich nur noch nach Eisen und vergessenen Absichten schmeckt. Ich fühlte mich wie eine totale Hochstaplerin.

Seit sechs Jahren hatte ich mein Business als Yoga- und Atemcoach rein über Mundpropaganda aufgebaut. Es lief super, bis diese Lokalzeitung anfragte und nach einem Link fragte. Ich hatte nichts. Also baute ich an einem Wochenende diese Seite zusammen, nur um dann drei Monate lang vor der „Über mich“-Seite zu kapitulieren. Ich dachte: Wenn ich dreißig Leute sicher durch eine intensive Pranayama-Session führen kann, warum habe ich dann solche Angst vor einer 500-Wörter-Einleitung?

Warum Storytelling für Coaches oft so künstlich wirkt

Wir alle kennen diese typischen Coaching-Geschichten. Die „Heldenreise“. Erst war alles ganz schlimm, dann kam die große Erleuchtung, und jetzt lebe ich mein bestes Leben auf Bali (oder in einer schicken Altbauwohnung in Schwabing). In meinen ersten Entwürfen Mitte Januar versuchte ich krampfhaft, genau das zu kopieren. Ich wollte „professionell“ klingen, wie eine Marketing-Expertin, die ich nun mal nicht bin.

Das Problem ist: Diese perfekten Transformations-Narrative wirken heute oft manipulativ statt authentisch. Deine Klienten merken, wenn eine Geschichte nur dazu dient, ein Produkt zu verkaufen. Ich habe damals versucht, meine sechs Jahre Erfahrung in ein glattes Paket zu schnüren, aber es fühlte sich an wie ein steifer Werbeprospekt. Während mein siebenjähriger Sohn im Nebenzimmer schlief, löschte ich Entwurf um Entwurf. Ich hatte 14 verschiedene Newsletter-Intros in einem Google Doc, und keines davon klang nach mir.

Notizbuch und Teetasse auf einem Schreibtisch bei der Content-Erstellung

Die 196 Yoga-Sutren und meine Schreibblockade

Ich weiß noch, wie ich frustriert in einem meiner Fachbücher blätterte. Die Yoga-Sutren von Patanjali bestehen aus 196 kurzen Lehrsätzen. Sie sind präzise, tiefgründig und schnörkellos. Ich dachte mir: Warum kann ich nicht auch so klar sein? Stattdessen verhedderte ich mich in Adjektiven und versuchte, meine „Expertise“ zu beweisen. Ich wollte klingen wie jemand, der alles im Griff hat.

Aber Storytelling bedeutet nicht, zu zeigen, wie toll man ist. Es geht darum, eine Brücke aus gemeinsamen Erfahrungen zu bauen. Als ich damals meine Jimdo Website Texte geschrieben habe, begriff ich irgendwann, dass meine Klienten nicht zu mir kommen, weil ich perfekt bin. Sie kommen, weil ich verstehe, wie es ist, wenn man im Stress das Atmen vergisst.

Der Wendepunkt: Die wahre Geschichte hinter der Lexosophie

Anfang Mai passierte etwas, das alles änderte. Ich hielt einen Workshop und mitten in einer Erklärung über die Pranayama-Praxis stockte mir selbst der Atem. Ein privates Thema hatte mich kurz eingeholt. Statt es zu überspielen, hielt ich inne und sagte: „Leute, genau das ist der Punkt. Auch ich verliere manchmal den Rhythmus.“

In diesem Moment wurde mir klar: Meine Verletzlichkeit ist der Kern meiner Arbeit. Das ist die Philosophie hinter meiner Wortwahl, meine ganz persönliche Lexosophie. Ich hörte auf, nach „Best Practice“-Vorlagen zu suchen. Ich schrieb darüber, wie ich selbst in stressigen Momenten die 4-7-8-Atemtechnik anwende, um nicht die Geduld mit meinem Sohn zu verlieren. Die 4-7-8-Methode – vier Sekunden einatmen, sieben halten, acht ausatmen – ist kein Marketing-Gag, sondern mein Rettungsanker im Alltag.

Hör auf, deine größte Schwäche als heroischen Sieg zu inszenieren. Schreib lieber darüber, wie du heute mit dieser Schwäche umgehst. Das schafft echtes Vertrauen. Deine Leser wollen keinen Guru auf einem Berg, sie wollen einen Begleiter, der den Weg auch schon mal im Matsch gegangen ist.

Laptop mit Website-Entwurf und Kinderzeichnung auf einem Arbeitstisch

Wie du deine eigenen Geschichten findest (ohne Copywriter zu sein)

Vielleicht sitzt du auch gerade da und denkst: „Aber mein Leben ist doch langweilig!“ Glaub mir, das dachte ich auch. Aber Storytelling auf der Website muss kein Hollywood-Film sein. Es sind die kleinen Momente, die zählen. Hier ist, was mir geholfen hat, als ich endlich aufgehört habe, mich zu verstellen:

An einem regnerischen Nachmittag letzten Monat habe ich meine Texte noch einmal komplett überarbeitet. Es war das vierte Mal, und diesmal fühlte es sich endlich richtig an. Meine Website ist jetzt wie eine Erweiterung meiner Yoga-Matte: Nicht immer perfekt ausgerichtet, manchmal etwas staubig, aber absolut echt. Wenn du merkst, dass du feststeckst, kann es helfen, alte Texte umzuschreiben und dabei radikal ehrlich zu dir selbst zu sein.

Schreiben für die eigene Webseite ist harte Arbeit, besonders wenn man eigentlich lieber mit Menschen arbeitet als mit Software. Aber deine Geschichte ist es wert, erzählt zu werden – genau so, wie sie ist. Ohne den Filter einer perfekten Heldenreise. Fang einfach an, vielleicht mit dem, was du gerade in diesem Moment fühlst, während du diesen Text liest. Der Rest kommt beim Schreiben.

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