
Es ist kurz vor elf Uhr abends hier in München-Sendling, mein siebenjähriger Sohn schläft endlich, und ich sitze – mal wieder – mit einem viel zu heißen Kräutertee vor meinem Laptop. Auf dem Bildschirm starrt mich ein Absatz über die Wirkung der Wechselatmung an, den ich gerade zum gefühlt zwanzigsten Mal umgeschrieben habe. Er klingt so hölzern, so steif und so furchtbar „expertig“, dass ich beim Korrekturlesen selbst fast einschlafe. Kennst du das? Du willst eigentlich nur erklären, wie Yoga hilft, zur Ruhe zu kommen, und plötzlich liest sich dein Text wie die Packungsbeilage für ein Blutdruckmedikament.
Der Mitternachts-Kampf gegen die hölzernen Sätze
Mein Perfektionismus hatte mich an diesem Abend im letzten März wieder voll im Griff. Ich hatte bereits zwei Stunden investiert – zwei Stunden meiner kostbaren Freizeit! – und der Text fühlte sich immer noch fremd an. Das ist genau das Problem, das dazu führt, dass ich mittlerweile 14 verschiedene Entwürfe für meine Newsletter-Einleitungen in einem Google Doc gespeichert habe, die nie das Licht der Welt erblicken werden. Ich dachte immer, komplizierte Sätze lassen mich kompetenter wirken. Ich dachte, wenn ich Wörter wie „Atemfrequenzmodulation“ benutze, merken die Leute, dass ich wirklich Ahnung habe. Dabei haben diese Sätze meine Leser nur ausgesperrt und mich wahnsinnig viel Zeit gekostet.
Ich bin keine Texterin. Ich bin Yoga-Lehrerin. Ich weiß, wie man Menschen hilft, ihren Körper wieder zu spüren, aber wie man dieses Gefühl in Worte fasst, ohne dass es kitschig oder staubtrocken klingt? Das hat mir in meiner Ausbildung niemand beigebracht. In den sechs Jahren, in denen ich mein Business rein über Mundpropaganda aufgebaut habe, war das egal. Aber seit diese Lokalzeitung mich verlinken wollte und ich panisch an einem Wochenende meine Jimdo-Seite zusammengezimmert habe, lässt mich das Thema nicht mehr los. Ich habe Kurse belegt und Tools getestet, aber am Ende saß ich doch wieder vor dem leeren weißen Dokument.

Die Kirmesbeleuchtung in meinem Browser
An jenem Abend im März war ich kurz davor, den Laptop einfach zuzuklappen und die ganze Website-Sache wieder hinzuschmeißen. Dann erinnerte ich mich an einen Tipp aus einer meiner vielen Facebook-Gruppen für Solopreneure: die WORTLIGA Textanalyse. Ein Tool, das Texte nach dem Hamburger Verständlichkeitsmodell prüft. Eigentlich bin ich ja kein Fan von noch mehr Technik, mein Abenteuer mit der Jimdo-Einrichtung hat mir für dieses Jahrzehnt gereicht, aber ich war verzweifelt. Also kopierte ich meinen Entwurf in das Analyse-Fenster.
Was dann passierte, war ein kleiner Schock: Die Oberfläche leuchtete sofort rot und gelb auf wie die Kirmesbeleuchtung auf der Auer Dult. Überall Markierungen. Zu viele Passivsätze, endlose Bandwurmsätze und – mein persönlicher Endgegner – die Substantivierungen. Mein Leseindex lag bei 32. Zur Einordnung: Das ist etwa so verständlich wie eine Doktorarbeit in theoretischer Physik. Für einen Blogartikel, der gestresste Mütter zum Entspannen einladen soll, ist das, gelinde gesagt, eine Katastrophe. Ich sah schwarz auf weiß, warum meine Texte sich so „zäh“ anfühlten. Ich habe versucht, schlau zu klingen, und dabei vergessen, menschlich zu sein.
Digitales Unkrautjäten: Wie ich 42 Füllwörter löschte
Ich fing an, die Markierungen abzuarbeiten. Es war ein bisschen wie digitales Unkrautjäten in meinem Garten. Die Analyse zeigte mir gnadenlos, wo ich mich hinter Phrasen versteckte. Alleine in diesem einen Entwurf löschte ich 42 Füllwörter. Wörter wie „eigentlich“, „gewissermaßen“, „vielleicht“ oder „man“ – diese kleinen sprachlichen Fluchttüren, die ich nur benutzt hatte, weil ich mich unsicher fühlte. Ein Füllwort fühlt sich beim Schreiben oft sicher an, aber beim Lesen ist es wie Sand im Getriebe.
Besonders das Passiv war eine Offenbarung für mich. Statt „Es sollte darauf geachtet werden, dass die Einatmung durch die Nase erfolgt“, schrieb ich nach der Korrektur einfach: „Atme tief durch die Nase ein.“ Plötzlich merkte ich, wie der Text zu atmen begann. Er klang nicht mehr nach Behörde oder Lehrbuch, sondern nach mir – nach der Yoga-Lehrerin, die ich bin, wenn ich mit meinen Schülern auf der Matte stehe. Falls du gerade erst anfängst, deine Seite zu füllen, schau dir ruhig mal eine Blogartikel schreiben Vorlage an, um überhaupt erst mal in den Fluss zu kommen, aber danach? Danach ist so ein Analyse-Tool Gold wert, um den Ballast abzuwerfen.

Warum wir als Coaches oft Angst vor einfachen Worten haben
Ich habe lange darüber nachgedacht, warum mir das so schwerfiel. Ich glaube, wir Solopreneure haben oft das Gefühl, wir müssten uns beweisen. Wir haben keine Marketing-Abteilung hinter uns, also versuchen wir, durch eine besonders gewählte Ausdrucksweise professionell zu wirken. Wir haben Angst, dass uns niemand bucht, wenn wir so schreiben, wie wir sprechen. Aber das Gegenteil ist der Fall. In meinen sechs Jahren ohne Website kamen die Leute zu mir, weil sie mich verstanden haben. Weil ich ihnen auf Augenhöhe begegnet bin.
Die WORTLIGA hat mir geholfen, diesen „Fluch des Wissens“ zu durchbrechen. Wenn man jahrelang in seinem Thema steckt, merkt man gar nicht mehr, wie viele Fachbegriffe man benutzt. Das Tool ist wie eine gute Freundin, die über die Schulter schaut und alle paar Sätze sagt: „Du, das versteht kein Mensch. Sag’s nochmal einfacher.“ Das spart am Ende massiv Zeit. Früher habe ich im Schnitt vier Stunden für einen Blogartikel gebraucht, weil ich mich in jedem Satz verheddert habe. Jetzt jage ich den ersten Entwurf durch die Analyse und sehe sofort, wo die Knoten sitzen. In 90 Minuten bin ich fertig. Das sind 150 Minuten mehr Zeit für meinen Sohn oder – ganz ehrlich – für ein Schaumbad ohne schlechtes Gewissen.
Die Falle: Wenn der Text zum Roboter wird
Aber – und das ist ein großes Aber, das ich auf die harte Tour lernen musste – man kann es mit der Optimierung auch übertreiben. In den ersten Wochen nach meiner Entdeckung war ich so besessen davon, jede einzelne gelbe Markierung wegzubekommen, dass mein Text am Ende zwar „perfekt“ verständlich war, aber seine Seele verloren hatte. Wenn du jeden Satz auf drei Wörter kürzt, klingst du irgendwann wie eine Sprachausgabe am Bahnhof.
Ein Beispiel: Ich wollte unbedingt das Wort „Atemraum“ behalten. Das Tool markierte es als „schwer verständlich“. Aber für meine Arbeit ist dieser Begriff zentral. Er ist Teil meines Storytellings. Ich habe gelernt: Das Tool ist mein Berater, nicht mein Chef. Wenn ein Wort für mein Gefühl wichtig ist, darf es bleiben, auch wenn die Ampel gelb blinkt. Wir schreiben schließlich für Menschen, nicht für Algorithmen. Es geht darum, die Wunschkunden anzusprechen und eine Verbindung aufzubauen. Ein kleiner Makel im Text kann manchmal genau die Persönlichkeit sein, die den Leser am Ende überzeugt.

Mein Fazit: Verständlichkeit ist ein Zeichen von Wertschätzung
Heute, ein paar Monate später, ist die Textanalyse fester Bestandteil meines Workflows. Egal ob ich meine Über-mich-Seite zum fünften Mal überarbeite oder an einem neuen Workshop-Angebot feile – der Check in der WORTLIGA gibt mir die Sicherheit, dass ich nicht an meinen Lesern vorbeischreibe. Es ist ein Akt der Wertschätzung gegenüber meinen Kunden, ihre Zeit nicht mit komplizierten Schachtelsätzen zu verschwenden. Vielleicht hilft dir das ja auch, wenn du gerade an deinen Call to Action Beispielen feilst und dich fragst, wie du die Leute eigentlich dazu bringst, auf diesen blöden Button zu klicken – oft ist die Antwort einfach: Mach es ihnen so leicht wie möglich, dich zu verstehen.
Wenn du also das nächste Mal nachts vor deinem Laptop sitzt und dich fragst, warum deine Texte so hölzern klingen: Atme einmal tief durch (Yoga-Lehrerin-Rat!), kopier den Text in ein Analyse-Tool und schau, wo die Kirmeslichter leuchten. Streich die Füllwörter, löse die Passivsätze auf, aber lass dein Herz im Text. Dein Lese-Score ist wichtig für die Klarheit, aber dein echtes Lächeln zwischen den Zeilen ist das, was die Menschen letztendlich dazu bringt, bei dir zu buchen.