
Das leise Summen meines Laptops in der stillen Wohnung und der Geruch von kaltem Salbei-Tee, während ich das 20. Mal das Wort "Willkommen" lösche – das war mein Standard-Zustand an einem frostigen Februarmorgen dieses Jahres. Ich saß da, die Heizung knackte leise, und ich starrte auf diesen blinkenden Cursor, der sich wie ein kleiner, hämischer Vorwurf anfühlte.
Warum klingt alles, was ich schreibe, entweder wie ein Versicherungsvertrag oder wie ein schlechter Glückskeks? Ich bin Yoga- und Atem-Coach, ich helfe Menschen, wieder bei sich anzukommen, aber wenn ich über meine eigene Arbeit schreibe, klinge ich wie eine Fremde. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits 14 Entwürfe für meinen Newsletter in einem Google Doc gespeichert – keiner davon hat jemals das Licht der Welt erblickt.
Der Moment, in dem 'einfach authentisch sein' nicht mehr reichte
Ich hatte meine Website damals, als eine Zeitung mich verlinken wollte, an einem Wochenende auf Jimdo zusammengezimmert. Jimdo gibt es ja schon ewig, ich glaube seit 2007, und es ist super einfach – aber die Texte? Die schreibt das Tool eben nicht für dich. Ich dachte immer, wenn ich einfach nur "authentisch" bin, wird das schon. Aber nach sechs Jahren Business nur durch Mundpropaganda merkte ich: Im Internet hört dich niemand atmen, wenn du nicht die richtigen Worte findest.

Ich hatte zwei Schreibkurse hinter mir und jedes deutsche Text-Tool getestet, das ich finden konnte. Aber irgendwie blieb die Lücke zwischen dem, was ich in meinen Sessions mit den Klienten erlebe, und dem, was auf dem Bildschirm stand. Dann stolperte ich über die PAS Methode. Und kurz darauf über die Lexosophie. Das war der Wendepunkt.
Was ist die PAS Methode überhaupt?
Falls du wie ich kein Marketing-Profi bist: PAS steht für Problem, Agitation und Solution. Es ist ein Framework aus dem Copywriting, das eigentlich ganz logisch ist. Man teilt den Text in genau 3 Phasen auf:
- Problem: Du benennst das Problem deiner Klienten (z.B. Erschöpfung).
- Agitation: Du rüttelst das Problem wach, beschreibst die Folgen und den Schmerz dahinter.
- Solution: Du präsentierst deine Lösung (dein Coaching).
Eigentlich simpel, oder? Aber als ich anfing, das anzuwenden, fühlte es sich furchtbar an. Ich schrieb Sätze wie: "Bist du auch so gestresst, dass du nachts nicht schlafen kannst? Ohne Hilfe wird dein Burnout nur schlimmer!" – Igitt. Das klang so... manipulativ. Es fühlte sich an, als würde ich in einer offenen Wunde herumstochern, nur um ein Paket zu verkaufen.
Die Lexosophie als mein moralischer Kompass
Kurz vor den Pfingstferien begann ich, meine Texte mit Lexosophie zu analysieren. Lexosophie ist ein deutsches Verfahren, das Worte nach ihrer psychologischen Wirkung sortiert. Es geht nicht darum, ob die Grammatik stimmt, sondern welche Motive du ansprichst. Geht es um Sicherheit? Um Abenteuer? Oder um Harmonie und Verbindung?

Dabei wurde mir klar: Die PAS-Formel ist für uns Coaches oft zu manipulativ, weil sie das Problem künstlich vergrößert, anstatt das Potenzial der Klienten durch echte Wertschätzung sofort zu aktivieren. Wir wollen ja niemanden in die Angst treiben, sondern in die Kraft bringen. Wenn du zum Beispiel versuchst, Slogans für Coaches zu finden, merkst du schnell, dass Druck-Marketing einfach nicht zu uns passt.
Wie ich PAS und Lexosophie verheiratet habe
Nach etwa sechs Wochen intensiven Testens verstand ich, dass ich die "Agitation"-Phase umdeuten muss. Statt das Problem schlimmer zu machen, nutze ich diesen Teil jetzt für empathische Bestätigung. Ich zeige dem Leser nicht: "Du hast ein riesiges Problem", sondern: "Ich verstehe genau, wie sich dieser Moment anfühlt, wenn du morgens die Augen öffnest und dich schon wieder müde fühlst."
Hier ein Beispiel von meiner eigenen Seite. Früher stand da: "Willkommen bei meinem Yoga-Coaching. Ich helfe dir gegen Stress." (Gähn. Langweilig.)
Mit PAS und Lexosophie (Fokus auf das Motiv 'Verbindung' und 'Vitalität') wurde daraus: "Kennst du das Gefühl, wenn dein Atem nur noch bis zum Hals reicht, weil der Alltag dich zuschnürt? (Problem) Dieses Engegefühl im Brustkorb, das dich auch nach Feierabend nicht loslässt – ich kenne das zu gut. (Agitation/Empathie) Gemeinsam finden wir den Raum für deinen tiefen Atemzug zurück. (Solution)"
Siehst du den Unterschied? Es fühlt sich warm an, nicht nach Verkaufsdruck. Es hilft mir auch enorm beim Dienstleistung beschreiben auf der Website, weil ich nicht mehr raten muss, welche Worte wirken.

Ein kleiner Trick für die Nerven
Wenn ich heute merke, dass ich wieder in dieses Überdenken verfalle – und glaub mir, das passiert auch nach vier Rewrites noch –, nutze ich die 4-7-8 Atemtechnik. Ein Zyklus dauert genau 19 Sekunden (4 ein, 7 halten, 8 aus). Das mache ich drei Mal, und plötzlich ist der Druck weg, perfekt sein zu müssen. Schreiben ist wie Yoga: Es geht um die Praxis, nicht um die perfekte Pose beim ersten Mal.
Eines späten Abends im Juli – also erst vor ein paar Tagen – habe ich dann endlich den Newsletter abgeschickt, der seit Monaten in meinen Entwürfen schimmelte. Ich habe ihn vorher noch einmal durch die Lexosophie-Brille angeschaut. Hatte ich genug Worte für 'Vertrauen' drin? War die Struktur klar? Ja. Und das Beste: Ich habe mich beim Abschicken nicht wie eine Betrügerin gefühlt.
Warum deine Texte nicht perfekt sein müssen
Wir Solopreneure neigen dazu, uns in Details zu verlieren. Wir feilen an Headlines, als wären es Diamanten. Aber die Wahrheit ist: Ein Text, der mit Herz geschrieben und durch eine klare Struktur wie PAS gestützt wird, ist tausendmal besser als die 15. Version, die nie veröffentlicht wird. Wenn du noch alte Entwürfe hast, schau sie dir mal unter dem Aspekt der Motive an. Es ist oft erstaunlich, wie sehr alte Texte umschreiben dabei hilft, die eigene Stimme überhaupt erst zu finden.

Ich bin keine Texterin. Ich bin eine Coachin, die gelernt hat, dass Struktur (PAS) und psychologisches Feingefühl (Lexosophie) mir die Freiheit geben, ich selbst zu sein. Ohne dass es nach Versicherung klingt. Und ohne dass ich mich hinter spirituellen Floskeln verstecken muss. Probier es mal aus – dein nächster Entwurf muss nicht perfekt sein. Er muss nur echt sein.