
Es war spät im November, draußen war es dieses typische Münchner Matsch-Grau, und ich saß in meinem Wohnzimmer vor meinem Jimdo-Backend. Ich hatte gerade drei Monate damit verbracht, an meiner Über-mich-Seite herumzufeilen, jedes Wort dreimal umgedreht und schließlich den Mut gefunden, die Fotos hochzuladen. Und da starrten sie mich an: 42 Dateien in der Mediathek, alle mit so klangvollen Namen wie IMG_4829.jpg oder Final_Version_3_neu.png.
Ich wusste vage, dass es da dieses Feld namens "Alt-Text" gibt. Aber ehrlich gesagt? Ich dachte, das ist wieder so ein technisches Ding, das nur Leute brauchen, die Informatik studiert haben oder den ganzen Tag nichts anderes tun, als Meta-Tags zu zählen. Ich wollte doch nur, dass meine Website hübsch aussieht und meine Atemcoachings gefunden werden. Dass dieses kleine, unsichtbare Feld der Schlüssel zu beidem sein könnte, habe ich erst auf die harte Tour gelernt.
Was zum Teufel sind eigentlich Alt-Texte?
Falls es dir wie mir geht: Alt-Text ist die Abkürzung für alternativen Text. Es ist das, was im Browser angezeigt wird, wenn ein Bild mal nicht lädt (was bei schlechtem Internet im ICE zwischen München und Berlin ja ständig passiert). Aber viel wichtiger: Es ist das, was Screenreader für Menschen mit Sehbehinderung vorlesen. Ohne Alt-Text liest die Maschine einfach den Dateinamen vor – und glaub mir, niemand will "IMG_4829 punkt J-P-G" hören, wenn er eigentlich wissen will, worum es auf deiner Seite geht.

Mitte Februar saß ich dann da und merkte, dass ich nach all dem Stress mit dem Wunschkunden ansprechen einen riesigen Teil der Sichtbarkeit komplett ignoriert hatte. Google ist nämlich quasi blind. Die Suchmaschine sieht deine schönen Fotos von der Kobra oder dem entspannten Shavasana nicht – sie liest nur, was du ihr darüber erzählst. Wenn du dort nichts schreibst, existiert das Bild für Google praktisch nicht.
Die Angst, es falsch zu machen (SEO vs. Mensch)
An einem regnerischen Sonntagnachmittag im April habe ich mich dann endlich drangesetzt. Ich hatte gelesen, dass man dort Keywords unterbringen soll. Also habe ich angefangen zu tippen: "Yoga München Atemcoaching Entspannung Stressbewältigung Kurs". Es fühlte sich furchtbar an. Genau wie diese Texte, die ich in meinen Anfängen geschrieben habe, die klangen wie eine schlechte Werbebroschüre.
Der lauwarme Geschmack meines Pfefferminztees, den ich vor lauter Grübeln über der Frage vergessen hatte, ob "Yoga-Matte" oder "Nachhaltige Kork-Yogamatte" das bessere Keyword ist, hat mich dann wieder in die Realität geholt. Ich starrte auf das Feld und fragte mich: Interessiert es eine blinde Person eigentlich, dass meine Studiowand in 'Sage Green' gestrichen ist, oder müssen sie nur wissen, dass ich hier im Schneidersitz sitze?

Genau hier liegt der Fehler, den so viele von uns machen. Wir missbrauchen den Alt-Text als Müllhalde für Keywords. Aber laut dem WCAG 2.1 Standard (das sind die Richtlinien für Barrierefreiheit im Netz) geht es primär um den Inhalt und die Funktion des Bildes. Wenn wir Coaches anfangen, dort nur Suchbegriffe reinzustopfen, zerstören wir die Erfahrung für Menschen, die auf Screenreader angewiesen sind. Und wisst ihr was? Google merkt das. Die Suchmaschine wird immer schlauer und belohnt Texte, die wirklich hilfreich sind.
Die 125-Zeichen-Regel und der Google-Faktor
Ein technischer Fakt, der mich erst mal völlig gestresst hat: Screenreader brechen oft ab, wenn der Text zu lang wird. Die magische Grenze liegt bei etwa 125 Zeichen. Das ist verdammt wenig! Es ist wie ein Slogan, nur beschreibend. Du musst also präzise sein.
Warum wir uns trotzdem die Mühe machen sollten? Es geht um die 20. Schätzungen besagen, dass etwa 20 % aller Suchanfragen bei Google über die Bildersuche laufen. Wenn du also deine Bilder ordentlich beschreibst, finden dich Leute, die vielleicht gar nicht nach "Atemcoach München" gesucht haben, sondern nach "Atemübung bei Stress" und dann dein Bild entdecken.
Ich habe gemerkt, dass es hilft, wenn man die Bilder nicht nur als Deko sieht. Jedes Bild sollte eine Aufgabe haben. Wenn du deine Dienstleistung beschreibst, unterstützen die Bilder deine Botschaft. Der Alt-Text ist dann einfach die Übersetzung dieser Botschaft für alle, die das Bild nicht sehen können.

Mein Durchbruch: Alt-Texte wie Yoga-Ansagen schreiben
Anfang Juni kam mir dann die Erleuchtung. Ich saß in einer meiner Sessions und gab Korrekturen für den herabschauenden Hund. Ich sagte Dinge wie: "Schieb dein Gesäß weit nach hinten oben, die Finger sind weit aufgefächert." Ich war präzise, ruhig und beschreibend.
Plötzlich klickte es: Alt-Text ist nichts anderes als eine verbale Korrektur für das Internet! Es ist wie eine kurze Ansage in meiner Yoga-Stunde. Ich muss nicht blumig werden, ich muss nicht lügen, ich muss einfach nur sagen, was ist.
Ein Beispiel aus meiner ersten (schlechten) Version:
Alt-Text: "Yoga München Coach Atemtherapie Stress Hilfe"
Warum das schlecht war: Es ist eine reine Aneinanderreihung von Schlagworten. Es hilft niemandem, das Bild zu verstehen.
Die neue Version nach meinem Klick-Moment:
Alt-Text: "Yoga-Coachin sitzt im Schneidersitz auf einer Korkmatte und zeigt eine Atemübung in einem hellen Studio."
Warum das besser ist: Es beschreibt die Szene, enthält aber ganz natürlich Keywords wie "Yoga-Coachin" und "Atemübung".
Schritt-für-Schritt: So machst du es besser als ich
Wenn du jetzt vor deiner Mediathek sitzt und dich genauso überfordert fühlst wie ich damals, atme erst mal tief durch. Du musst nicht alle 200 Bilder an einem Tag ändern. Fang mit den wichtigsten an – deiner Startseite und deiner Angebotsseite.
- Sei spezifisch: Statt "Frau lacht" schreib lieber "Lachende Frau beim Coaching-Gespräch in einem hellen Büro".
- Lass "Bild von..." weg: Google und Screenreader wissen bereits, dass es ein Bild ist. Spar dir die Zeichen für den Inhalt.
- Kontext ist alles: Wenn das Bild nur Dekoration ist (wie eine Trennlinie oder ein abstrakter Farbfleck), lassen manche Tools das Feld leer, damit der Screenreader es ignoriert. Aber bei uns Coaches ist fast jedes Bild wichtig, weil es Vertrauen aufbaut.
- Keywords natürlich einweben: Ja, pack dein Haupt-Keyword rein, aber nur, wenn es wirklich zum Bild passt.

Manchmal vergesse ich es immer noch beim ersten Hochladen. Dann erwische ich mich dabei, wie ich schnell auf "Speichern" drücke, nur um fünf Minuten später doch wieder zurückzugehen, weil mir einfällt, dass ich ja barrierefrei sein will. Es ist ein Prozess. Genau wie beim Webseitentexte selbst Korrektur lesen – man sieht die Fehler oft erst beim zweiten Mal.
Das Gefühl, wenn es funktioniert
Letzte Woche ist etwas passiert, das mir Tränen in die Augen getrieben hat. Eine neue Kundin rief an und sagte, sie hätte mich über die Bildersuche gefunden. Sie hatte nach "ruhiger Arbeitsplatz Coaching München" gesucht und mein Foto vom Studio gesehen. Der Alt-Text war genau darauf optimiert.
Es ist diese stille Zufriedenheit, wenn man merkt, dass die eigene Website ein kleines Stückchen inklusiver und sichtbarer geworden ist. Es geht nicht nur um Technik oder SEO-Rankings. Es geht darum, dass wir unsere Türen für alle so weit wie möglich aufmachen. Wenn du deine Bilder beschreibst, gibst du jedem die Chance, deine Welt zu verstehen – egal, wie er oder sie darauf zugreift.
Und wenn du jetzt merkst, dass nicht nur deine Bilder, sondern auch deine Links noch ein bisschen Liebe brauchen, dann schau dir mal an, wie du Verlinkungen auf deiner Website klug setzt. Das ist nämlich der nächste Schritt, damit deine Besucher nicht nur deine Bilder finden, sondern auch den Weg zu dir ins Erstgespräch. Es ist alles ein großes Puzzle, und jedes kleine Teil – sogar der unsichtbare Alt-Text – hilft dabei, dass am Ende das ganze Bild stimmt.