
Ein Verzeichnis-Profil hat ein Zeichenlimit – und keine Möglichkeit, danach noch etwas nachzuschieben. Genau das macht die Profilbeschreibung im Coach-Marketing so viel unversöhnlicher als die eigene Website: Auf der Startseite darfst du dich warmschreiben, im Verzeichnis-Profil zählt nur, was in den ersten Zeilen steht. Für mich als Solopreneurin, die ihr Selbstmarketing komplett allein stemmt, war genau dieses Feld lange das schwierigste von allen – mein erster Versuch klang wie eine schlecht gekürzte Kopie meiner eigenen Website.
Meine Homeoffice-Ecke in unserer Münchner Altbauwohnung ist nicht groß – ein Schreibtisch, der früher meiner Mutter gehörte und ein paar Kratzer mehr hat, als mir lieb ist, zwei Fenster zum Innenhof, bunte Post-its in Gelb, Orange und Blau rund um den Monitor, und hinter dem Stuhl liegt die Yogamatte für kurze Pausen zwischen zwei Sätzen. Genau dort habe ich einmal versucht, den Flyer-Text einer befreundeten Yogalehrerin als Vorlage für meine eigene Website zu nehmen. Das ging gründlich schief – ihr Ton passte einfach nicht zu meinem, und am Ende klang der Text nach niemandem.
Warum dein Verzeichnis-Profil keine kurze Über-mich-Seite ist
Der naheliegendste Fehler ist, den Über-mich-Text der eigenen Website einfach zu kürzen. Aber ein Branchenverzeichnis ist kein Ort für Storytelling oder deine ganze Geschichte vom ersten Kunden bis heute – wie du eine echte Über-mich-Seite aufbaust, ist ohnehin ein eigenes Thema für sich. Die Menschen im Verzeichnis suchen eine Lösung für ein sehr konkretes Problem. Sie scannen Listen, sie lesen nicht in Ruhe.

Anders als eine ausführliche Angebotsseite hast du hier keinen Platz, um jedes Detail deines Coachings zu erklären. Mein erster Satz für Google lautete: „Ich biete Yoga und Atemcoaching für mehr Wohlbefinden." Das schreibt praktisch jeder Coach in irgendeiner Form. Es fehlte nicht nur Wärme, es fehlte vor allem Klarheit darüber, wer bei mir richtig ist.
Zeichenlimits: Was Google, Jameda und Therapie.de dir wirklich erlauben
Das größte technische Problem für jemanden, der gerne mal zu viel schreibt, sind die Zeichenlimits. Jedes Verzeichnis setzt seine eigenen Grenzen, und die sind gnadenlos. Im Google-Business-Profil hast du für das Feld „Vom Inhaber" genau 750 Zeichen – winzig, vor allem weil nur die ersten 80 Zeichen in der Vorschau ohne Klick sichtbar sind. Bei Jameda als Premium-Mitglied darfst du dich auf bis zu 2000 Zeichen ausbreiten, was nach viel klingt, aber schnell verbraucht ist, sobald man ins Schwafeln gerät. Therapie.de erlaubt sogar bis zu 5000 Zeichen, fast schon Blogartikel-Länge, für die Kolleginnen und Kollegen im therapeutischen Bereich.
Diese ersten 80 Zeichen sind praktisch eine Mini-Headline, und das Handwerk einer richtig guten Überschrift ist nochmal ein eigenes Thema. Nichts wirkt unprofessioneller als ein Satz, der mitten im Wort abgeschnitten wird, weil das System längst mitzählt. Wenn deine Sätze grundsätzlich zu lang geraten, findest du in meinem Artikel über Website Texte kürzen ein paar Ansätze, die auch bei Verzeichnissen helfen. Einen klassischen Call-to-Action-Button gibt es in den meisten Verzeichnissen ohnehin nicht – aber eine einladende letzte Zeile wirkt fast genauso gut.

Für wen schreibst du eigentlich zuerst – für Menschen oder für den Filter?
Lange dachte ich, ich müsste direkt für meine Wunschkundschaft schreiben, so wie es in jedem Marketing-Kurs heißt – wie du deine Zielgruppe auf der ganzen Website anspricht, ist ein eigenes Thema, aber im Verzeichnis kommt zuerst etwas anderes. Dort schreibst du zuerst für den Filter. Das Ziel ist nicht, dass jeder Mensch dich anklickt. Das Ziel ist, dass die Falschen dich von selbst überspringen.
Also habe ich angefangen, bewusst Schlagworte zu nennen, die meine Nische gezielt eingrenzen. Statt „Yoga für alle" steht dort jetzt sinngemäß: Atemfokussiertes Coaching bei Stress, ohne Akrobatik, ohne Kopfstand-Ambitionen. Wer eigentlich nur für ein Instagram-Foto in den Handstand wollte, merkt sofort, dass er hier falsch ist. Wer vor lauter Termindruck kaum noch tief durchatmet, merkt: Hier bin ich richtig.
Klarheit schlägt Sympathie – jedes Mal.
Eine klare Kante hilft nebenbei auch der Suchmaschinenoptimierung innerhalb des Verzeichnisses – die SEO-Grundlagen dahinter habe ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben. Wenn jemand nach „Atemcoaching Glockenbach-Viertel" sucht, soll der Algorithmus sicher erkennen, dass genau das mein Angebot ist, und nicht irgendein diffuses Wellness-Sammelsurium.
Vom Lebenslauf zur Einladung: Die ersten Sätze zählen doppelt
So gesehen ist eine Profilbeschreibung kein Lebenslauf. Sie ist die Türschwelle zur Praxis. Niemand muss dort beweisen, wie viele Ausbildungen sie gesammelt hat – wichtiger ist zu zeigen, dass du das Problem der lesenden Person verstehst, bevor sie überhaupt weiterklickt.

Mein alter Text begann mit Titeln und Ausbildungsfokus, trocken wie ein Zeugnis. Mein aktueller Text beginnt so: „Du fühlst dich ständig gehetzt und dein Atem ist nur noch flach? Ich helfe dir, durch gezielte Atemtechniken wieder zur Ruhe zu kommen – mitten im Alltag." Der Unterschied: Ich spreche über die lesende Person, nicht über mich.
Im Kern ist das eine Mini-Version dessen, was andere die PAS-Methode nennen – Problem, Agitation, Lösung –, auch wenn ich das nie so genannt hätte, bevor ich den Begriff zum ersten Mal gelesen habe; wie man sie für längere Coaching-Texte einsetzt, ist ein eigenes Thema für sich. Wenn du dein Google Unternehmensprofil optimieren willst, greift genau dieses Muster: Problem benennen, Lösung anbieten, Ort erwähnen. Kein Hexenwerk, aber es braucht Mut zur Lücke.
Lokale Sichtbarkeit statt Standardfloskel
Auch hier gilt eher das Prinzip Vorteile statt Merkmale als eine Liste von Qualifikationen – dazu habe ich an anderer Stelle mehr geschrieben. Kurze, verständliche Sätze helfen doppelt, weil im Verzeichnis jedes Wort Zeichen kostet und niemand Zeit für Schachtelsätze hat. Und weil lokale Sichtbarkeit für die meisten von uns überlebenswichtig ist, gehört der Ort mit hinein – nicht als Absender, sondern als Teil des Satzes, der das Problem beschreibt.
Marion Schwarz, eine Yogalehrerin aus Düsseldorf, die ich aus einer Facebook-Gruppe für selbstständige Coaches kenne, hat als bisher Einzige aus dem Netzwerk sogar eine Texterin beauftragt – und war am Ende trotzdem unzufrieden, weil der fertige Text zwar glatt klang, aber nicht nach ihr. Die eigene Stimme lässt sich eben nur schwer outsourcen, auch wenn das nochmal ein eigenes großes Thema ist. Manche Verzeichnisse lassen inzwischen sogar ein, zwei Kundenstimmen zu, aber wie du Social Proof auf der ganzen Website sauber einbindest, gehört auch in einen eigenen Artikel.
Was hilft, wenn du gerade vor dem leeren Feld sitzt?
Es hat mich Überwindung gekostet, so direkt zu sein, aus Angst, Kundschaft zu verschrecken. Ein Dienstagnachmittag hat mir das Gegenteil gezeigt: Innerhalb weniger Stunden kamen zwei Anfragen für ein Erstgespräch über die Website rein, beide erwähnten denselben Satz aus dem Profil – den mit dem flachen Atem.
Katrin Pfeiffer, eine befreundete Heilpraktikerin, bringt mich regelmäßig zum Lachen, wenn sie mir am Telefon vorliest, was für absurde Formulierungen sie selbst schon für ihr eigenes Profil verworfen hat. Vielleicht hilft genau das: den ersten Entwurf nicht zu ernst nehmen, ihn liegen lassen und danach alles streichen, was nach Standard-Coach klingt. Fang mit der kürzesten Version an, der für Google mit den 750 Zeichen – wenn die für sich allein funktioniert, lässt sie sich für die größeren Felder bei Jameda oder Therapie.de fast immer ausbauen, nie umgekehrt.